Mein Name ist Benjamin-Lucas Schmidt. Ich bin Autor, Lektor und Journalist. Das Leben schreibt seine eigenen Geschichten. Ich höre zu und erzähle sie. Aus allen seinen Facetten.
Mal laut. Mal leise. Aber niemals oberflächlich.
Was mich antreibt
Ich beobachte genau, stelle Fragen, höre zu. Und dann erzähle ich.
Manche schreiben für ein Genre. Ich schreibe für das Leben. Was mich daran festhält, ist nicht das Bedürfnis, Antworten zu liefern. Es ist der Wunsch, Menschen und Zusammenhänge zu verstehen – und das, was ich finde, in eine Form zu bringen, die andere mitnimmt.
Daraus sind Bücher entstanden, die wenig miteinander zu tun zu haben scheinen. Kinderbücher und Thriller. Romane und Sachbücher. Was sie verbindet, ist nicht das Genre. Es ist die Haltung, mit der ich an einen Stoff herangehe. Genau hinsehen. Nicht beschönigen. Nicht überhöhen.
Wie alles begann
Die Idee war lange vor dem ersten Satz da. Schon Jahre, bevor ich zu schreiben begann, wusste ich, dass ich einmal darüber erzählen würde, was ich in der Glücksspielbranche gesehen hatte. Doch eine Idee zu haben und sie umzusetzen sind zwei verschiedene Dinge. Es brauchte Zeit, bis daraus mehr wurde als eine Ahnung.
Über zwanzig Jahre lang war ich selbst Teil der Unterhaltungsbranche, bevor ich mich mit ihren rechtlichen Fragen befasste. Ich hatte die Schlüsselgewalt, war für die Kasse verantwortlich, wusste, wo das Geld hinfloss. Als Geschäftsführer und Teilhaber eines bundesweit operierenden Firmenkonsortiums war ich ein Mann der Praxis, kein Theoretiker. Aus diesem Wissen wurde ich später Unternehmensberater - und begann zu erkennen, wie eng das Geflecht aus Lobbyismus und Politik tatsächlich geknüpft ist.
Das führte mich an einen Tisch, an dem nicht mehr ich die Entscheidungen traf, sondern nach meinem Wissen gefragt wurde: als Sachverständiger vor den Arbeitsausschüssen des Deutschen Bundestages, an der Gesetzgebung zum Glücksspielstaatsvertrag beteiligt - Gesetzestexte entwerfen, Synopsen für die Arbeitsgruppen erstellen. Über zehn Jahre war ich zugleich die rechte Hand eines branchenerfahrenen Juristen, betraut mit der Recherche nach Urteilen und Gesetzestexten. Diese Arbeit hat mich gelehrt, wie sehr es auf die Klarheit der Worte ankommt - eine Lektion, die ich nie wieder verlernt habe. Verfahren, die für die gesamte Branche maßgeblich wurden, habe ich bis vor den Europäischen Gerichtshof begleitet und mitgeprägt.
Fünf Jahrzehnte in der Unterhaltungs- und Glücksspielbranche hatten mir gezeigt, wie ein scheinbar regulierter Markt von innen tatsächlich funktioniert - und wo seine blinden Flecken liegen. Irgendwann war die Zeit reif. So entstand Zwischen Risiko und Rausch: Die Dunkelheit des Glücksspiels - kein Buch aus der Distanz, sondern aus der Mitte des Systems heraus geschrieben.
Doch ein Sachbuch muss sachlich bleiben. Vieles, was ich über all die Jahre gesehen hatte - die stillen Verschiebungen, die Grauzonen zwischen Politik, Wirtschaft und organisierter Kriminalität - ließ sich in nüchterner Analyse nur andeuten, nicht ausleuchten. So wurde aus der Sachkenntnis eine zweite Form: Das Mafia-Paradox: Im Schatten des Glücksspielkartells, ein Thriller, der erzählt, was ein Sachbuch verschweigen muss. Seither bewegt sich meine Arbeit zwischen diesen beiden Polen - der Genauigkeit der Recherche und der Freiheit der Erzählung.
Das war der Einstieg als Autor. Was danach kam, hatte mit alldem nichts mehr zu tun - und genau das war seine Kraft. Die kindliche Unbedarftheit meiner Enkeltochter wurde zum Startschuss für eine ganz andere Art des Erzählens. Aus ihrer Fantasie, ihrem Strahlen, entstand die Idee zu Fritzi, das Mädchen, das nicht zur Schule wollte - der erste einer Reihe von Kinderromanen, die seither zwischen uns beiden entstehen.
Ein Ort, der mich trägt
Südafrika ist nicht meine Heimat, und doch trägt seine Erde Spuren meiner Vergangenheit. Besonders die False Bay. Wenn ich dort stehe, scheint die Zeit für einen Moment bedeutungslos. Der Wind streicht über das Wasser, die Sonne legt einen goldenen Glanz auf die Wellen, und etwas in mir kommt zur Ruhe.
Es war auch der Ort, an dem mein Sohn einen neuen Blick auf das große Ganze gewann - und der, wie ich heute weiß, uns als Familie geformt hat, mich selbst eingeschlossen.
Solche Orte verändern, wer man ist. Sie haben mir beigebracht, dass Offenheit kein Programm ist, sondern eine Übung. Dass Verstehen mit Hinschauen beginnt. Und dass die besten Geschichten oft die sind, die man nicht erfindet, sondern aufschreibt.